Stoffwindeln – warum?

Während der Schwangerschaft habe ich mit vielen Menschen darüber gesprochen, wie es mit Baby sein wird. Insbesondere auch mit anderen werdenden Müttern. Dabei kam das ein oder andere Mal die Stoffwindel auf. Aber schnell tat ich das Thema ab mit “Das ist für mich nichts” und der Tatsache, dass mein Partner und ich die Kosten nicht scheuen würden, die guten alten Pampers zu nutzen. Wickeln war eh noch etwas befremdlich für mich, und dann auch noch Windeln falten? Nein, danke!

Das erste Mal sahen wir dann die eigentlichen neuen Stoffwindeln, als meine Hebamme diese ganz provokativ im Babymassagekurs vorstellte. Ich war doch schon neugierig und begann etwas nachzuforschen. Es hat etwas gedauert, aber dann traute ich mich endlich ein Testpaket zu bestellen und nun wickeln wir fast exklusiv mit Stoffwindeln.

Zuerst hieß es, wir wickeln damit nur tagsüber zu hause. Dann probierten wie die Nacht-Stoffwindel. Und nun nehmen wir die Windeln auch unterwegs, wenn möglich.

Warum Stoffwindeln?

Oft wird der gesagt, dass Stoffwindeln günstiger sind. Das KANN sein, muss aber nicht. Aber spätestens beim zweiten Kind ist es dann so.

Kinder werden schneller trocken, weniger wund, usw. All diese Gründe sprechen für den Wechsel zur Stoffwindel. Aber mein Grund ist ganz klar: Ich will keine Müllberge mehr produzieren, die in 150 Jahren noch nicht abgebaut sind. Ich will keine Firma unterstützen, die so unethisch ist, wie z.B. Proctor&Gamble, die Pampers herstellen. Und ich will diese Chemie nicht mehr am Popo meines Babies haben, denn den Geruch der Windeln nimmt man ja leider deutlich wahr (nicht die gebrauchte, ich meine die frische). Außerdem gehört eine Menge dazu, ein Baby mit so einer dünnen Windel auch echt 12 Stunden trocken zu halten.

Das ist also mein persönlicher Grund. Dazu kommt, dass Stoffwindeln heute echt schön sind.

Wie wickelt man also? Es gibt sooo viele verschiedene Systeme und ich verlinke am Ende dieses Beitrags zu sehr guten Informationsquellen. Wichtig ist, dass man Windeln findet, die einem selber, als wickelnde Person und dem Baby zusagen. Das können Hybrid-Windeln sein, mit sogenannten kompostierbaren Einlagen, über All-in-One-Systeme bis hin zu schicken Höschenwindeln mit tollen Überhosen. Es gibt Wolle, es gibt Baumwolle etc etc.

Ich hoffe, dass es bald immer mehr Menschen gibt, denen die Nachhaltigkeit der Stoffwindel und die Umwelt wichtiger sind, als das “schnelle und bequeme” Wickeln mit der Wegwerfwindel.
In Zukunft werde ich mich dafür einsetzen und die Stoffwindelschule machen, um Stoffwindelberatungen anzubieten!

 

Der Stoffwindel-Überblick (Video, Einfach-Eltern.de)
Stoffwindeln auf Einfach-Eltern.de
Warum Stoffwindeln? auf Stoffywelt.de
Windelwahl und Pflegetipps auf Wickelglueck.de
Stoffwindeln auf windelmanufaktur.de

Ein Bericht auf Arte übers Wickeln: Wickeln, Windeln, Wegwerfen

Gelassen stillen. 10 Punkte für den Start.

Stillen ist artgerecht, normal, manchmal auch „das Beste“. Für junge Eltern ist es aber auch oft eine gänzlich neue Erfahrung – da gibt es viel Unbekanntes, das verunsichert. Kurz und knapp sind jeweils 5 Punkte beschrieben, die für das Stillen völlig unnötig sind – oder richtig hilfreich.

The Big 5, die beim Stillen keine Mutter braucht

  1. Eine Uhr!
    Frau erspart sich dann die wiederkehrenden Gedanken „Wie, schon wieder?“, „Immer noch?“ und „Das hat jetzt aber gedauert“. Ohne Uhr stillt es sich entspannter. Erst recht in der Nacht.
  2. Blöde Kommentare – egal von wem. (Ausnahme: Kindsvater?)
    Keine Frau sollte sich rechtfertigen müssen, warum – wie oft – wie lange sie stillt. Oder vor hat zu stillen. Oder gestillt hat. Das ist allein eine Entscheidung von Mutter und Kind.
  3. Experten ohne Expertenwissen.
    Hebammen und Kinderärzte können Experten in Stillfragen sein – sind es aber nicht immer. Bei Stillfragen sind Stillfachpersonen die ExpertInnen, die mit Fachwissen weiterhelfen. Ehrenamtliche Stillberaterinnen finden sich bei der Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen oder bei der La Leche Liga. Medizinisches Fachpersonal, das sich in Stillfragen auskennt, erkennt man an der Bezeichnung IBCLC.
  4. Strikte Rahmenpläne in Sachen Stillen, Schlafen und Beikost.
    Jedes Kind ist anders, daher helfen starre Pläne in der Praxis nicht. Auf das eigene Kind schauen, seine Bedürfnisse wahrnehmen und erfüllen, das ist die Grundlage einer guten (Still-)Beziehung.
  5. Angst.
    Stillen ist nicht so kompliziert, wie es vielleicht am Anfang erscheint. Mit etwas Übung läuft es bald ganz von allein. Also keine Panik. Die Milch reicht bestimmt und alles wird gut. Und wenn doch einmal eine Frage auftaucht, eine Stillfachperson kontaktieren.

The Big 5, die beim Stillen wirklich helfen

  1. Jemand, der einem beim Stillen ein großes Glas Wasser hinstellt.
    Vielleicht auch noch einen Obstteller oder etwas zum Knabbern. Im Idealfall bringt dieser Jemand auch noch ein Buch, den Laptop, die Fernbedienung oder das Telefon, wenn es mal etwas länger dauert.
  2. Austausch mit anderen Eltern.
    Der Mensch ist eine sozial erziehende Art – wir brauchen den Austausch mit anderen Menschen. Gegenseitige Unterstützung durch Eltern, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, hilft ungemein. Das relativiert die eigenen Probleme und hilft, wenn frau den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht.
  3. Seelenfutter.
    Gute, ausgewogene Ernährung, aber auch mal Schokolade helfen, um bei Kräften zu bleiben. Das Leben mit einem Baby ist anstrengend genug, da verdient frau Futter, das die Seele nährt. Für die mit wenig Zeit sind Stillkugeln  eine passende Knabberei für zwischendurch.
  4. Ruhepausen.
    Stillpausen sind Ruhepausen, sie sind nicht dazu da, sich Gedanken darüber zu machen, was noch alles auf der To-do-Liste steht. Lieber den Helfer aus Punkt 1 losschicken, um Buch, Laptop, Fernbedienung oder Telefon zu bringen.
  5. Vertrauen in uns selbst und unseren Körper. In der Schwangerschaft haben wir es geschafft, unser Kind in uns wachsen zu lassen und es zu versorgen. Genauso können wir das auch in der Stillzeit.

 

Warum wird es jungen Eltern so schwer gemacht?

Manchmal verstehe ich die Welt nicht mehr.

Ich bin selbst Stillmutter von zwei Kindern, meine Kinder wurden und werden viel getragen und dürfen so lange im Familienbett schlafen, wie sie es brauchen. Ich nenne es gern “bindungsorientierte Elternschaft”. Da ich damit immer offen umgegangen bin und mir von niemand habe hereinreden lassen – außer von meinem Mann, der mich aber unterstützt – werde ich natürlich zu diesen Themen von frischgebackenen Müttern mal etwas gefragt.

Und was ich da teilweise zu hören bekomme, schockiert mich.

Es wird verlangt, dass ein Neugeborenes allein in seinem Zimmer schlafen soll – denn im Familienbett könne es sterben. – Wie kann man einer jungen Mutter, zudem mit solchen Worten, unterstellen, sie gefährde ihr Kind?

Ein Kind, vollgestillt, nimmt in den ersten Wochen super zu, wird beim Kinderarzt vorgestellt, alles ist in Ordnung, der Kinderarzt sagt daraufhin, dass Kind solle nur noch alle drei Stunden gestillt werden. Die Mutter, die bisher nach Bedarf gestillt hat, ist natürlich verunsichert. – Wieso sagt niemand dieser Frau, dass sie ihren Job super macht und sie einfach so weiter machen soll?

Eine Schwiegermutter drängt ihre Schwiegertochter, dem Kind die Flasche anzugewöhnen, damit sie es länger ausfahren kann… – da fällt mir nichts mehr zu ein!

Warum werden junge Mütter, die alles tun um ihr Kind bestmöglich zu versorgen, es – anfangs unter Schmerzen – stillen, Tag und Nacht trotz aller Verzweiflung über den Schlafmangel für es da sind, so angegriffen und kritisiert, anstatt sie zu loben und zu unterstützen, wo es nur geht?

Was hat denn alle Welt immer dagegen, dass Mütter ihre kleinen Babys lieb haben und es trösten, wenn es weint, es hochnehmen und kuscheln, weil es das braucht, es stillen, wenn es Durst und Hunger hat?

Da muss sich was ändern.

Diese Frauen und natürlich auch die Väter, die genauso für ihre Babys da sind, brauchen Zuspruch und Unterstützung.

 

 

 

Das moderne Baby – ein Zeitreisender

Jedes Baby, das auf die Welt kommt, ist wie ein Zeitreisender. Als ob es direkt aus der fernen Vergangenheit käme, handelt es allein nach seinen Instinkten und Reflexen, die sich an das Leben der vergangenen Millionen Jahre angepasst haben. Ebenso wie ein Steinzeitbaby ist es darauf programmiert, aufgenommen und mitgenommen (also herumgetragen) zu werden. Es ist nicht nur seelisch darauf eingestellt (es weint, wenn es allein gelassen wird), sondern auch körperlich – neugeborene Babys nehmen beim Hochnehmen automatisch die korrekte Beinhaltung – die sogenannte Anhock-Spreizhaltung — ein. Und somit “passen” sie physiologisch exakt an die Hüfte des Erwachsenen. Dies ist kein Zufall.

Der Mensch ist weder ein Nesthocker noch ein Nestflüchter, sondern ein Tragling. Das liegt daran, dass unsere Vorfahren jahrmillionenlang ein Nomadenleben geführt haben. Und dieses Programm, was in den Babys ruht, ändert sich nicht, nur weil vor etwa hundert Jahren der Kinderwagen in Mode kam. Natürlich kann sich ein Kind an das neue, moderne Leben gewöhnen, schließlich ist der Mensch so überlebensfähig, da er sich gut anpassen kann. Nichtsdestotrotz ist es für die seelische und physiologische Entwicklung aller Kinder wichtig, regelmäßig – in welcher Form auch immer – die direkte Nähe zu ihren Eltern erfahren zu dürfen, um das starke Bedürfnis nach Kontakt und Liebe zu erfüllen und ihnen somit viel Selbstvertrauen mit auf den Weg zu geben.

Die Eltern, die sich das Herumtragen ihrer Kinder einfacher und bequemer machen wollen, können dies mit Hilfe eines Tuchs oder einer Tragehilfe tun, die anderen tragen ihr Kind als “Armling” einfach so auf der Hüfte sitzend oder an die Schulter gelehnt.

Dass Babys getragen werden, ist also weder ein neuer Trend noch etwas außergewöhnliches – sondern einfach normal.

EG000: Erstes Gespräch

“Einfach” nur Kind sein (dürfen)

Mein Beitrag von PLAYLABS.DE passt auch hier gut hin, finde ich. Was sind eure Meinungen dazu?

“Es gibt nichts, was ein Kind nicht werden kann – wenn es erstmal eines sein darf: Kind! Einfach nur Kind!”

Dieses Zitat habe ich heute auf dem aktuellen Jako-O Katalog gelesen. Solche positiven Zitate finde ich immer wieder. Besonders häufig allerdings für Werbezwecke.

TOLLABOX stef&bea @TOLLABOX

Schweinekalt an einer Tramhaltestelle. Ein Kind hüpft vor sich hin, Vater schnauzt es an, es soll aufhören. Warum denn eigentlich??? (b)

Diesen Tweet habe ich heute in meiner Timeline von @Tollabox gefunden.
Auch so etwas höre und erlebe ich immer wieder. Nicht zuletzt gab es ja auch die unglaubliche Geschichte über die Erzieherinnen, die Kindern den Mund zugeklebt haben (und die darauffolgenden Kommentare auf Twitter, die über ähnliche Vorkommnisse berichteten). [Mehr dazu hier auf dem Berlin Mitte Mom Blog].

Jetzt möchte ich aber mal nicht auf Gewalt eingehen, sondern auf die Tatsache, dass wir oft danach streben, Kinder Kinder sein zu lassen, und es dennoch immer wieder eine Schwierigkeit darstellt.
Ein Punkt, über den ich auch schon oft als Lehrerin nachgedacht habe, ist die Rolle die das “Nein” in dieser Beziehung spielt. Häufig benutzt, ein kleines Wort und dennoch hat es eine so große Wirkung: ein Verbot, eine Unterbindung… und oft ohne Grund. Denn fragen wir uns wirklich mal: Warum eigentlich nicht?… ja, dann haben wir keine Antwort.

Als Lehrerin in einer Schule mit 3-12-jährigen Kindern, habe ich darüber reflektiert und mich dazu aufgefordert, meine Schülerinnen und Schüler nicht einfach zu bevormunden, sondern zu fragen, warum sie, zum Beispiel, auf das Regal klettern wollen, oder wieso sie gerade jetzt den Tisch umstellen wollen. Eigentlich ist die Situation relativ egal. Wir sollten nur nicht unsere Ängste, oder unsere Faulheit die Kreativität der Kinder einschränken lassen. Und wenn Lulu oder Lasse nun auf den 3,50m hohen Baum klettern wollen und es wirklich keine gute Idee ist, dann sollten wir ihnen doch die Möglichkeit geben, dies zu verstehen und uns ihre Gründe für ihr Vorhaben erklären lassen.

Ich bin nicht für einen Wechsel zum “Ja-sagen” … aber wir sollten uns beobachten und uns fragen, warum wir und warum unsere Kinder etwas wollen oder nicht wollen.
Und nur so werden wir einen Schritt weiter in Richtung “das Kind Kind sein lassen” gehen und weg von der “Verbots- und Verstummungsgesellschaft” gehen.